Mein Karwendelmarsch

Karwendelmarsch-2013-Ergebnis-Hermann-Plaickner

Hey Leute – bin absolut happy!!! Spitze lief das:

4. Gesamtplatz beim Karwendelmarsch 2013

Schaut mal – gegen welche Kaliber ich heute antreten musste: „…… Im Teilnehmerfeld des legendären Wander-Events fanden sich heuer auch große Namen, wie

  • Vorjahressieger Markus Reich
  • der Gewinner und Bestzeithalter des Karwendelmarsch von 2011 Thomas Bosnjak
  • oder der 7-fache Dolomitenmann-Sieger Markus Kröll aus dem Zillertal
  • Am Ende hatte jedoch Markus Stock (ehemaliger Langlaufprofi) die Nase vorn und konnte den Sieg in der Laufwertung mit einer Zeit von 04:26:5 für sich verbuchen.“

Nun mal der Reihe nach:

START:
Ich voran weg …

Der Bosnjak Thomas zu mir: „he, willst du nur 10 km laufen, das sind heute 52!“

Ich: „ja das passt schon – wir ziehen das durch“.

Nach 1,5 km teilte sich das Feld. Stock und Bosnjak vorne weg (erkannte sofort, die sind zu schnell), dann nochmals 3 + 2, denen ich nicht folgen konnte (Kröll, Reich & Co), dann eine 6er-Gruppe mit mir dabei.

Trauriger Fakt:
Nach 2 km war ich 12. und alle vor mir sahen verflixt gut aus. Erkannte, da muss ich Vollgas geben, um überhaupt unter die 10 zu kommen.

12 km blieb dieses Feld zusammen und ich führte ca. 8 dieser 12 km das Feld an. Als dann ernsthafte Steigungen kamen, riss ein mir sehr bekannter Laufkollege aus Südtirol, der Fissneider Daniel aus ….. aber wie (Der Daniel packte mich übrigens 2011 beim Dolomitenmarathon im letzten Drittel)  Der kam ernsthaft weg, war nach 4 km nicht mehr zu sehen. Ein weiterer „Roter“ mit schlechtem Laufstil war der nächste, der ausbrach, auch der kam ernsthaft weg – nicht mehr einholbar (dachte ich mir).

Blieben 4 Läufer übrig (Pos. 9-12). Keine Spur, das einer einbrechen würde – dachte ich, das gibt es ja nicht, das sind echt zähe „Hunde“! Wiederum immer ich voran, gab aber wirklich Stoff, fühlte mich stark, aber nix da. Bis km 25 lief da nix – kam nicht weg, aber dann kam ein Bergabstück und da konnte ich dann 2 abschütteln und einen einholen. Das gab Auftrieb. Ein „Gelber“ klebte aber an mir wie eine Klette. Ich 4er Zeiten (15 km/h), also echt sehr schnell für einen steil bergab gehenden Forstweg, er immer hinter mir. Wir plauderten, ließ ihn führen, das ging aber gar nicht, also übernahm ich wieder. Bei km 35 war ich auf den Gelben (Rieder Roland Jg. 81) 30 Sekunden (!) vorne. Ein echt zäher Bursche.

Jetzt der steilte Anstieg und der längste von allen. Ca. 1,5 Minuten hinter mir Verfolger, es gab also genug zu tun. Kämpfte mich echt den Berg hoch (sehr schlüpfrig mit den normalen Laufschuhen – rutschte permanent) verlor nix, gewann aber auch nichts. Vor mir niemand – hinter mir die Meute: Jetzt gings aber steil bergab und genau das habe ich zuletzt trainiert.

Unglaublich, ich sah plötzlich den Daniel Fissneider wieder und den Kröll Markus von Salomon Österreich. Dachte, das GIBT’S JA NICHT, den kann ich vielleicht packen, den 7-facher Dolomitenmann-Sieger? Der holt mich dann sicher im flachen Finale (ca. 9 km). Doch schnell wurde es hinter mir ruhig und ……… es blieb ruhig. Ich fühlte mich SAUGUT, hatte echt einen Speed drauf, wo ich mich selbst nur wunderte. Vor mir NIEMAND, bis plötzlich auf einer langen Geraden wieder einer auftauchte, aber der Abstand – enorm! Ich VOLLGAS, 3:45iger Zeiten, ging mir brutal gut und so kam ich langsam an ihn ran und letztlich vorbei. Der Läufer, ein Tscheche,  fluchte zu mir: der scheiß Asphalt. War sichtlich auch verärgert, dass ich ihn überholte, ich muss zugeben, ich schmunzelte natürlich darüber. Dachte mir nach der Überholung, ich hätte sagen sollen, er soll Gas geben statt schimpfen, sonst überholen ihn andere auch noch.

Nun schien die Sache gegessen, aber ich begann fast zu fliegen, immer auf Angriff, dachte, lauf für dich selbst ne tolle Zeit und siehe da, 1 km vor dem Ziel ein weiteres Kaliber, der Brugger Philipp. Ich erkannte sofort: der hat Probleme – aber ob sich das noch ausgeht. Vielleicht mit einem Sprint – aber pack ich das noch? „VERSUCHS, GIB GAS, MUSS GEHEN“ und es ging. 100 Meter vor dem Ziel zog ich an ihm vorbei.

Ich kannte meine Platzierung an Rang 4 zu diesem Zeitpunkt nicht und dachte, ich wäre weiter hinten. Dennoch waren diese letzten 12 km für mich ein Erlebnis der besonderen Klasse.

FAKT: ab km 35 lief ich die Bestzeit, nahm dem Sieger 49 Sekunden, dem 2.  1:29 und dem 3. mehr als 3 Minuten ab.

Bei 1.800 Startern wurde ich gesamt 4., siegte in meiner Altersklasse M45, wurde aber 2., weil die M40 und 45 zusammengelegt wurden und ich mich somit dem Sieger ehrenvoll geschlagen geben musste. Verteidigte meinen 6. Platz aus 2011, packte Laufgrößen wie Reich und Kröll, also ein echt großes Ergebnis für mich mit einer Zeit, die 6:43 schneller war als jene vor 2 Jahren.

ECKDATEN:

52 km in 4:36:36

Höhenmeter 2.300

Zeit: Schnitt / km: 5:19

Geschwindigkeit Schnitt / km: 11:28

P.S.:  pers. Anmerkung von Ursula
Ja – ich möchte heute auch mal meinen Senf dazugeben zu Hermanns Laufbericht: Es ist für mich unglaublich, was ein Mensch alles leisten kann – wo einen der Wille hinführen kann – deswegen ist diese Leistung von Hermann für mich neben den 78 km beim Swiss Alpin sein bisher bestes Resultat:

Nach einer äußerst kurzen Nacht (er 3 Stunden Schlaf – ich 2) starteten wir um 3:15 Uhr morgens in Mühlwald Richtung Scharnitz. Beide im Prinzip reif fürs Bett und weder fit für eine nächtliche Autofahrt noch erst fit für ein Rennen. In Seefeld, ein paar km vor Scharnitz, sagte Hermann das 3. Mal zu mir: „Mah, ich schlaf gleich ein, ich bin furchtbar müde – eigentlich gehörte ich ins Bett“ – und dann noch die Frage: „Vielleicht sollen wir umdrehen?“ Ich wusste nicht, was sagen, wie sollte ich mich verhalten, ich sah ja, wie es ihm geht, und mir gings im Prinzip ganz gleich – so sagte ich diplomatisch: „Du, das schreib ich dann in den Blog rein, wenn Du eine top Platzierung hast, dass Du erst gar net antreten wolltest …“

Was aus dieser Situation noch wurde, haben wir ja eben gelesen – ich fuhr hoch zur Eng – bei km 35 und wartete dort ins für mich diesmal total Ungewisse. In welcher Verfassung wird er dort ankommen? Und dann tauchte er oben am Hang auf – genau in der Zeit – wie ein Uhrwerk. Genau die ausgerechneten 3 Stunden. Mir fiel ein Stein runter – da fiebert man natürlich entsprechend mit – man hat ja sonst nichts zu tun, als zu warten, also Hochspannung. Dann rannte er vorbei – total frisch – unglaublich motiviert und auf den Punkt getimet.

Jetzt war mir leichter – erst konnte ich es nicht fassen, dass er so frisch sein konnte – dann schlug es um in Freude – ich wusste, da ist noch was drin – das Tempo werden die nicht alle gehen bis zu den 52 km … jetzt kommt nämlich erst seine Stärke … und so war es dann auch.  Ich ziehe meinen Hut vor diesem Willen und diesem Einsatz, lieber Hermann, und ich bedanke mich für die vielen schönen und spannenden Stunden, die wir durch das Laufen bisher gemeinsam verbringen durften.

Ursula

Leave a Reply