1. Platz M45 beim Swissalpine 2013

Hermann Plaickner Swissalpin 2013 A

ES WIRD HEISS !!! RICHTIG HEISS
beim Swissalpine 2013  – also am Anfang Tempo drosseln, das waren die 2 Erkenntnisse aus der Laufbesprechung mit Ursula am Vorabend. Die Zeitanalyse ergab, dass ich die ersten 30 km nicht schneller als 4:15 laufen darf. Kein Leichtes Unterfangen für einen Heißsporn, aber ich nahm mir aus Vernunft echt vor, das durchzuziehen. Gesagt getan – viele liefen mir am Anfang davon, war wohl zu Beginn ca. 40er – an schlechter Position und dann sollst du dir immer noch sagen: „lass sie nur laufen, kein Problem – du bist beim Swissalpine – also bremse“ – das war schon etwas schwierig.

Lief den ersten km in 4:12 (war mir unterwegs recht sicher, dass ich zu langsam war, passte aber dann punktgenau) / 2. km in 4:09 / 3. in 4:05 / 4. in 4:07 / 5. in 4:07 usw. (ich zu mir: „wird wohl passen, auch wenn ich mückenmäßig unterwegs bin“), und so ging es bis km 29. Anstiege putze ich mit gleichen km-Zeiten weg, als ob nix wäre und so passte die geplante Zeit bei km 29 auf die Minute. Ich top fit, auch dank des vielen Trinkens. Jetzt freute ich mich auf die Berge, redete mir ein: „Kommt nur, ja, kommt nur“ heute ziehe ich den Längeren, habe keine Angst, her damit. Während andere sich quälten, rief ich in die Zuschauermenge: „Jetzt kommen die Berge – super! Auf geht’s“ (alle lachten). Reine Selbstmotivation!

Bei km 33 überholte ich meinen stillen Mitbewerber, Schenk Felix mit der Nummer 8, den 2. des Vorjahres in M45. Er lief diesen Lauf schon viele Male und lieferte in gewisser Weise für mich einen Orientierungspunkt. Grüßte ihn beim Vorbeiziehen und fügte hinzu: großes Vorbild für diesen Lauf. Er antwortete nicht und ich konnte schnell wegziehen, denn nun nahm ich Fahrt auf. Es ging jetzt auf Forststraßen GENAU SO bergauf, wie ich das permanent trainierte. Ich zu mir: „genau das ist deine Stärke, das hast du trainiert“ und so knackte ich einen nach dem anderen. Mehrere wehrten sich etwas, konnten aber dann doch nicht Parole bieten. Da vorne im Spitzenfeld schenkt natürlich keiner gerne eine Position her.

Eine Zuschauerin verriet mir  nach 4,5 Stunden vor der Keschhütte, dass ich 8. bin. Moment –  ich beim Swissalpine in Davos unter den ersten 10 – das wäre ein Traum. Was für ein Gefühl!

Sieg M45 beim Swissalpin 2013Sieger - Swissalpin 2013 K78Sieger - Swissalpin 2013 K78

 

Kurz zuvor überholte ich Cox Martin (eine Lauflegende mit einer Marathonbestzeit von 2:12, 2. des Dolomitenmarathons 2012 hinter dem Achmüller Hermann), dies verleihte mir definitiv nochmals Flügel, aber vor mir war nun endgültig nichts mehr. Gab trotzdem Gas und dachte mir: schirme dich von hinten ab, wer weiß was da noch kommt. 20 einsame Minuten vergingen, bis ich weit, weit weg ein gelbes Trikot erkannte. Erstmals Sichtkontakt nach vorne, aber ziemlich hoffnungslos (ca. 1,5 km). Ich gut drauf, also sagte ich mir: gib dein Bestes und ich kam nun dem „Gelben“ super schnell nach. Merkte, der muss bei geringen Anstiegen schon gehen, ich kann laufen, das spülte mich förmlich nach vorne. Der kämpfte aber wirklich „mit den Zähnen, um vor mir zu bleiben“ ABER ich wusste, der hat keine Chance, es reicht, den richtigen Moment abzuwarten, wo ich vorbei komme. Als ich dann über Umwege an ihm vorbei kam, waren es keine 10 Minuten, wo mein „nächstes Opfer“ fair und nett Platz ließ. Nach dem letzten Berggipfel gabs 2 Stürze, einer etwas ernsthafter, der andere in einer Kurve in einen Sumpf gerannt (Handballen aufgeschlagen, Unterarm und Oberschenkel abgeschürft), ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit genügte und schon wars passiert.

Die letzte Stunde Einsamkeit – bergab, teilweise schwieriges Gelände, aber vom Vordermann keine Spur und so blieb es bis zuletzt, wobei ich den Glauben nicht aufgab, dass ich dem ja irgendwann auch begegnen müsse, denn bei mir liefs gut, hatte einen tollen Lauf drauf, aber Fehlanzeige. Dachte mir: taucht der nicht auf, dann schirme dich wenigstens nach hinten ab. So konnte ich den letzten Kilometer, leicht abfallend in 3:48 mit noch immer erstaunlich schönem Laufstil locker und lächelnd absolvieren und freute mich selbst über die letzten Meter, dass es mir trotz brütender Hitze so gut ging.

Wenn ein Kollege schrieb: das war das Rennen deines Lebens, dann ist da schon was dran.

  • Martin Cox gepackt, 
  • Loch Eike  geschlagen (kommt aus Leitathletik – Marathonbestzeit von 2:17)
  • Keine Blase am Ende – nichts / NUR !!!!! MÜDE-FEST MÜDE!!!!!

– Danken möchte ich auch meiner Frau für die Unterstützung während des Trainings und beim Lauf

– NOCH EIN TIPP: ständige Kühlung mit Wasser + sehr viel Trinken

– Meine Kenntnisse aus der Lauftrainer-Ausbildung haben ebenso einen großen Anteil an diesem Erfolg

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