3. Dolomiten Marathon Brixen 2012 – Laufbericht

3 Gewinner Dolomitenmarathon Schmal

20 Grad am Start – heißester Tag in 2012 war angesagt mit bis zu 35 Grad!

Ich sagte mir: „Ist mir egal“. Zu meiner Frau: „das ist heute mein Tag, ich bin topp motiviert“

Um 2:00 Uhr ins Bett, um 5:15 Uhr raus, der 4. Turbotag in dieser Woche (3 bedingt durch meinen Beruf). Nahm mir fest vor, die Tipp von Frau Kaufmann Birgit (Frau eines Bergläufers, der den Vertikalen in Mühlwald vorige Woche lief) zu befolgen, nicht zurück zu schauen, sondern sich NUR nach vorne zu orientieren.

Vom Start an – zu meiner Verwunderung – in Führung liegend gings 2 km, bis mich Hermann Achmüller, der Laufprofi aus Südtirol und späterer Sieger überholte. Dann dauerte es NOCHMALS 1 km, bis der Laufgigant aus England, Herr Cox Martin (Marathonzeit 2:27 in 2010) mich überholte. War etwas perplex, denn ich rechnete definitiv nicht damit, dass ich so lange das Spitzenfeld anführe und mich dabei noch gar nicht total verausgaben muss.

Nach ca. 8 km war ich auf Position 9 angelangt und nun merkte ich, es kommt von hinten nichts mehr nach, es wird ruhig hinter mir. Den Blick IMMER auf den nächsten Läufer vor mir gerichtet (da lief z. B. ein schwarz gekleideter großer Mann – sehr athletisch aber mit krummen Beinen, und ich sagte mir: „den kriege ich“  und so wars dann auch). So landete ich bei km 25 auf Position 6, sogar die 4 und die 5 im Visier. Meine Motivation enorm – ich fühlte mich super, voller Angriffslust, nur merkte ich ein leichtes Ziehen in meiner linken Wade.

Moral der Geschichte: dieses Ziehen nahm zu und endete in Krämpfen, es folgten 2 Stürze bei hoher Geschwindigkeit, linke Hand beides mal eine offene Schürfwunde zugezogen, blutete. Schmerzen in Hand und mittlerweile beiden Waden. Sah aber, die vor mir kommen trotzdem nicht wirklich weg und so gab ich weiterhin alles was ich geben konnte – nein, in Wirklichkeit viel mehr – war schon in einem Trancezustand.

Ab km 38 wurde es jetzt richtig schlimm, spürte die Reserven aber ich konnte sie nicht mehr umsetzen, da ich nun in beiden Waden bei jedem größeren Schritt den Berg hinauf derartige Krämpfe bekam, dass ich auf hervorragender 7 Position Angst hatte, aufgeben zu müssen. Musste also die Vertikale von km 39,5 bis 40,5 in Gänseschritten machen, um überhaupt noch gehen zu können, trotzdem meine Oberschenkelmuskeln noch Power hatten und mein Atem sowieso. Die vor mir kamen auch nicht wirklich viel schneller voran, hinter mir (trotz Gehens) keine Spur von einem Verfolger!!! Dachte mir, das gibts ja nicht, spinn ich, was tun die denn hinter mir!!!!?

Am Gipfel angekommen den letzten km flach. Laufen ging fast nicht mehr, das sah ein deutscher Wanderer, der hatte Erbarmen mit mir und reichte mir einen Traubenzucker. Ich dachte, den hat jetzt Gott geschickt und bedankte mich 1000x  bei ihm. 200 Meter vorher reichte mir eine Wandererin eine volle Wasserflasche!! Also sowas von lieb – WAHNSINN! Scheinbar tat ich allen leid und alle sahen, dass ich Lähmungserscheinungen habe. Der Traubenzucker rettete mich dann ins Ziel und ich konnte es nicht glauben, ich war immer noch 3:18 vor meinem nächsten Verfolger aus Österreich.

Im Ziel angekommen schrie ich nur mehr vor Krämpfen, ein Sanitäter hatte ALLE Hände voll zu tun, um mich zu strecken, aber es half einfach NICHTS. Kaum locker gelassen schrie ich schon wieder. Gigantisch, so was habe ich noch nie erlebt. Das ging 15 Minuten so – dann weiter zur Massage, immer noch Krämpfe, weitere 20 Minuten kaum Beruhigung.  Also Leute, so was wünsche ich keinen Hund. Es dauerte fast eine Stunde, bis ich halbwegs schmerzfrei war – beruhigte meine Frau immer, sagten, dass ich sonst ja o.k. bin, aber eben meine Waden. Dann gings weiter in Medical Center, meine Hand verarzten. Der tat mir dann auch nochmals richtig weh, putzte die Wunden.

FAZIT: Die Hitze tat mir nichts (oder doch), die topp Läufer waren zwischen 5,5 bis 15 Minuten langsamer als im Vorjahr …  und ICH; mit diesem Desaster, was mir mehr als 5 Minuten kostete immer noch 5 Minuten schneller als im Vorjahr! Ich musste erkennen, dass ich bei diesem Bergmarathon zur Elite zählte, denn es waren Athleten aus 16 Länder am Start und meine insgesamt 7. Position beim Gewinn meiner Altersklasse (der 2. war mehr als 6 Minuten zurück) lässt erkennen, dass ich nun im Stande bin, mit meinen gewonnenen Kenntnissen aus der Ausbildung zum Tempo- und Techniktrainer die optimale Leistung aus mir heraus zu holen.

Nächstes Jahr werde ich mehr Magnesium füttern, keine 4 Turbotage in der Bergmarathonwoche mit kaum Schlaf planen, dann schepperts in der Kiste, denn da ist noch viel drinnen – in jedem Fall neuerlich 5 Minuten, egal ob Hitze oder nicht. Freue mich jetzt schon darauf!

p.s.: Meine Frau begleitete mich und so war es zudem auch noch ein wunderschöner Tag für uns beide. Meine 2 Laufkollegen aus Mühlwald (Vater und Sohn Niederkofler) belegte in ihren Kategorien ebenfalls hervorragende 2. Plätze mit guten Zeiten. Darüber freute ich mich dann auch noch.

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