neue Bestzeit beim Berlin-Marathon

Berlin-marathon-2013-Hermann-Plaickner-breit

NEUER PERSÖNLICHER MARATHONREKORD IN BERLIN mit 2:41:25

18. Platz v. 5280 in meiner Altersklasse M45

228. Gesamtplatz v. 27.449 Finishern

Wie berichtet, Berlin – für mich ein Marathon voller Rätsel. Ich ging daher mit Neugier an den Start, aber auch skeptisch, wobei ich mich schon sehr gut fühlte, Wettkampfadrenalin vollgetankt!

Letzte Vorbereitungswoche lief sehr gut, konnte mich etwas erholen trotz vieler Arbeit, hatte bei einem sehr lockeren Trainingslauf bereits in Berlin mal einen km mit 4:07 wo ich meinte, es müssten 5:07 sein, das gab Hoffnung, dass es so daneben nicht laufen kann.

Am Vortag noch neue Laufschuhe gekauft. Dr. Marquardt am Freitag angerufen, der u.a. auch mit Asics kooperiert und dem mitgeteilt, was er mir zum Berlin Marathon mitnehmen soll (wobei der meine Füße genau kennt und wusste, was ich will). Einlagen meiner beliebten Alten genommen und 6,2 km ausprobiert. Mir kam vor – das sollte passen … und passte dann auch perfekt, nachdem ich in Südtirol in 3 Fachgeschäften keinen Wettkampfschuh nach meinen Vorstellungen erhielt. Gebe zu, da bin ich kein einfacher Geselle, lernte in der Trainerausbildung viel über den richtigen Schuh, sodass ohne Sonderbestellung kaum gekauft werden kann und dafür war es zu spät.

Doch nun zum Marathon: Kühl, herrliches Wetter, perfekte Bedingungen. Rechtzeitig am Start, wo ich meinen Mühlwalder/Lappacher Kollegen im ersten Startblock traf. Alex meinte, er würde auf 2:37 laufen. Ich zu ihm: „ich werde die 2:38 anpeilen, wird man sehen, wie lange ich das Tempo halten kann, aber langsamer will ich nicht starten, wies geht, geht’s.“

Aus dem 78 km Swiss Alpin Ultra Marathon wissend sagte ich mir permanent: „langsam Kollege, fang nicht zu schnell an.

1. km in 3:41, dachte mir, passt,

2. km in 3:44, aber es ging mir wirklich zu langsam, dachte, lege ein Schäufchen zu

3. km in 3:36 / 4. km in 3:41 …. ich fühlte mich echt super und gab bei weitem nicht alles, wäre bis km 20 jederzeit im Stande gewesen, Tempo zuzulegen und so entstand doch ein Enthusiasmus, denn sowas habe ich bei einem Marathon noch nicht erlebt. Dachte immer, passt schon, das wird eine lockere 2:39, denn ich hatte permanent den Alex Niederkofler aus Lappach ca. 20 Meter vor mir und wusste, der ist auf 2:37iger Kurs.

Ein Nachteil: der lief immer am Ende einer großen Gruppe (schlau), also im Windschatten, ich eben diese 20 Meter dahinter mutterseelenallein. Aufschließen hätte ich können, traute mich aber nicht, denn mir war klar, wenn du dich jetzt übernimmst, ist das Rennen kaputt. Der Abstand zu dieser Gruppe wurde größer und größer, ich wurde überholt, verlor die Gruppe mit Alex, konnte aber auch an den Aufschließenden nicht dran bleiben. Merkte – jetzt hats was, schei………., meine km Zeiten waren aber in Ordnung, also dachte ich mir, der Alex hat heute Flügel, ein Wahnsinn der Kerl, aber ich lauf auch meine Zeit, also sei zufrieden und „gib a Ruah“.

Dann folgte der km 24, eine 3:56!!! Ich: mein Gott, was ist denn jetzt los, spinn ich, schlaf ich oder was?“

Erstmals musste ich mich nun also anstrengen. Es folgte eine 3:42 eine 3:41, eine 3:48, also alles wieder im Lot: „diesen einen langsamen km habe ich Luft“. (In diesen Kilometern bekam ich auch Alex wieder zu Gesicht, merkte, der tut sich schwer, noch weit schwerer als ich und sagte – ihn überholend: „scheiße, heute sind wir beide zu langsam“ fand es aber trotzdem total nett, einen Nachbarn in Berlin bei km 27 so nebenher mal grüßen zu können, (ich fühlte in dem Moment mit ihm, da ich wusste, wie sehr er sich auf Berlin freute und wie konsequent er sich darauf  vorbereitete).

In selber Sekunde der km 29. Eine 3:57. Ich abermals: „spinn ich oder was, muss mehr Gas geben?“ Nun fiel es mir nicht mehr so leicht, das Tempo hochzuschrauben. Erkannte, aha, jetzt bei km 30/31 wird’s ernst, es folgten leider nur mehr eine 3:47, eine 3:52, 3:55, 3:59 ….. es wurde zäher und zäher, auch Wind kam nun auf. Erkannte, mein Körper gibt im Moment nicht mehr her, aber …. mein Geist jetzt umso mehr.

Bei km 35 sagte ich mir: „Also wenn du noch irgendwas stecken willst, dann musst du dir jetzt die Zeit holen, am Ende ist es zu spät.“  Mobilisierte echt nochmals alles, km 36 eine 3:37 (!!!) aber das war ein Fehler! Km 37 dann eine 3:57.

KM 40! Wusste, wenn ich auf die Realzeit sehe, bitte keine 2:34, sonst wird’s keine neue Bestzeit, wenn möglich eine 2:32, dann lauf ich mir den Magen vom Körper um die 2:40 zu packen.

2:33:10! Ich zu mir: „eine neue Bestzeit wird’s, das schenke ich nicht mehr her, ABER die 2 km entscheiden. JETZT ODER NIE, das ist die Chance deines Lebens, deine Marathonbestzeit für die Ewigkeit nochmals zu verbessern, also LAAAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUFFFFFFFFFFFF! Lauf lauf lauf, gib Gas, geht schon, schnell, geht schon, muss gehen, lauf.“ Ich drillte im Gedanken echt auf mich ein, wie ein Reiter auf sein Pferd mit der Peitsche.

Es folgten ein tolles Finish, der absolut letzte km in 3:35 (16,75 km/h !!!!) aber warum: AUCH weil ich meinte, das Brandenburger Tor ist die Ziellinie, aber dem war nicht so, es ging noch 200 Meter weiter. Ich an meiner gedachten Ziellinie am Zusammenbrechen und dann sollte ich noch 200 Meter laufen. Ich zu mir: „ich kann nicht mehr“ / und da war wieder der Peitscher der sagte: „SPINNST DU, KERL, gib Gas, blär net ummanondo, auf geht’s.“

Im Ziel angekommen – totale Erschöpfung – fast ein wenig Schwindel, aber nur für einen kurzen Moment, nach ein paar Minuten ging es mir schon wieder so, als wäre fast nix gewesen. Kein Bläschen an den Füßen, einfach NICHTS.

Abgereist, in Ostdeutschland noch 2,5 Stunden geschäftlich gearbeitet (18:00 Uhr bis 20:30 Uhr in Sachsen) und nachher nach Graz gefahren. Insgesamt 947 km gemacht, um 4:00 Uhr ins Bett, um 8:00 Uhr raus, ganzen Montag gearbeitet in Graz und dann nochmals 387 km nach Hause gefahren. Meine Frau war als Coach wieder einzigartig und großartig – tausend Dank!

FAZIT: Ein Erlebnis, welches ich mein Leben lang nicht missen möchte. Das diese um 1:01 Minuten verbesserte Bestzeit mit 2:41:25 für die Ewigkeit stehen bleibt, glaube ich nach diesem Marathon noch weniger als vorher.

Viel zu kurze Vorbereitung, Wind kostete wohl auch 30 Sekunden (denn je länger das Rennen ging, desto mehr kam er auf. Die absoluten Spitzenläufer hatten keinen, wir ein wenig, nach uns wehte er echt kräftig), und ERSTMALS auch im letzten Kilometer noch durch das eigene Anpeitschen die körperliche Kraft mobilisiert, den schnellsten Kilometer zu laufen zeigen auf, dass hier noch Reserven schlummern, die bei konsequentem Training und bester Gesundheit abrufbar sein dürften.

p.s.: Die Strecke ist einzigartig – daher meldete ich mich schon mal für nächstes Jahr zum Berlin Marathon an und hoffe, dass ich das Losglück habe.

Keep on running – euer Hermann  :-D

 

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