Allgäu Panorama Ultra 2015

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Erneuter Ultratrail Sieg im Allgäu

Sieg in M45 Klasse beim Allgäu Panorama Marathon – Ultratrail 70 km und 3. Gesamtrang

Fleißig war ich seit dem Zugspitz Ultra am 20.6.2015, wo ich 3. wurde (ich absolvierte 40.383 (!!!) Höhenmeter und 710 km durch die Berge).

Erst am 12.8. kam es zu einer phänomenalen neuen Bestzeit zur Kircheralm. Mein Rekord auf diesem Trainingsabschnitt steht seit letztem Jahr – und da war ich ziemlich sicher, dass ich den nie mehr verbessern werde, da meine Rekordzeit einfach verdammt gut war.
ABER man glaubt es kaum – ich war jetzt um sagenhafte 34 Sekunden schneller. Letztes Jahr konnte ich die Bestzeiten im Rahmen von 3 Sekunden steigern, aber dass es nochmals so einen Tusch macht, konnte ich erst gar nicht glauben, denn 34 Sekunden schneller auf dieser kurzen Strecke ist für mich einfach gigantisch. 5,9 km bei 650  hm in 36:14. (sind 11,3 km/h oder 5:19/km).

Diese Überraschung zur Kircheralm ließ mich spekulieren, dass ich teuflisch gut in Form bin und absolut konkurrenzfähig für meine nächste Herausforderung beim Allgäu Panorama Marathon Ultra. Samstag Abend bei der Startnummernausgabe war ein Läufer hinter mir, der mir zu denken gab. Meine Frau und ich schauten uns an und dachten das Gleiche: „das ist ein topp Athlet, der wird gefährlich.“ Vorsorglich merkten wir uns mal seine Startnummer: 242

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Start um 6:00 Uhr Früh:

Gutes Wetter – Temperatur super – perfekte Bedingungen. Im 3er Paket liefen wir vorne weg und wechselten die Führung. Wir (Ich + auch ein paar andere) haben uns in den ersten 2,5 km ein paar Mal verlaufen. (Um 6 ist es noch ziemlich finster und die Markierungen fielen nicht immer auf.) Da hieß es manchmal kurz anhalten, warten, zurückrufen an Ortskundige, wo nun zu laufen wäre …

Einer von unserem Trio (gelbe Jacke) ließ bei km 5 dann Federn, nicht dass er großartig zurück fiel, aber er konnte unseren Speed nicht mehr gänzlich halten. So blieb ich dem jetzt Führenden (Starnummer 242 – Jahrgang 1985) dicht auf den Fersen – merkte, der ist zwar Spitze aber „zu Packen“ Erkannte bald, dass der auch abwärts sauschnell war, wobei ich gerade das viel trainierte. Er fragte mich, wer ich denn sei und ob mir bewusst wäre, dass wir viel zu schnell unterwegs sind – wir wären so auf dem Weg zu einem neuen Streckenrekord. Ich meinte, das packen wir schon, wir machen uns das unter uns aus – der Bessere wird gewinnen. Hinter uns war nun NICHTS mehr.

Bei km 10 übernahm ich erstmals so richtig die Führung, der Kollege jetzt immer knapp hinter mir. Bergab war ich ihm nun doch etwas weg gekommen, im Flachen kam er mir aber wieder bis auf wenige Meter heran.

UND DANN ……..

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unmittelbar nach der ersten Zeitnehmung bei km 18,8 verlief ich mich – ich übersah eine Abzweigung (siehe Bild), aber der KOLLEGE UNMITTELBAR HINTER MIR BOG AB UND LIEF STILLSCHWEIGEND WEITER!!!  Er wohl ortskundig, lief für ein örtliches Team. Das fand ich nicht toll – würde ich definitiv NIE tun, aus Prinzip!

Es folgte ein Ausflug ins Nichts: v. 1:41:40 bis 1:45:20 (3:40 Minuten verspielt) 42 Hm

Hochlaufend – zurück auf die Strecke – sah ich, dass der Gelbe nun auch wieder vorbei lief. Mir war klar, den haben wir schon einmal ca. 3 Minuten abgehängt, also sollte ich den auch wieder kriegen, aber den 1. ??? erreich ich den noch? Ok – Vielleicht siegt die Gerechtigkeit. Da ging mir jetzt einiges durch den Kopf – nicht nur Positives – ich war schon ein wenig …. Ich brauchte ein paar km, bis meine Verbitterung wich. Irgendwann dachte an die F1, fliegt dort mal jemand ins Kiesbett, kämpft er auch sofort wieder weiter.

Hatte nun recht dicht den 4.Platzierten „MULAHALILOVIC Sejad“ (M35) hinter mir. Ca. 30 Min. später motivierte mich ein Zuschauer und meinte, mein Rückstand auf den Führenden wäre ca. 4 Minuten, ich wäre 2. / Dachte ich mir, hallo? und wo ist der mit dem gelben Trikot? Bei der nächsten Labestation fragte ich nach, und mir wurde bestätigt, ich wäre 2.

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Die Freude währte kurz, denn schon folgte

DAS NÄCHSTE UNGLÜCK:

Beim Stöcke-schließen – einen kurzen Augenglick nicht aufgepasst schwer gestürzt.

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Der Sejad konnte jetzt an mir vorbeiziehen –  er fragte noch kurz, ob alles o.k. wäre – ich bejate.

Ich wollte sofort aufstehen, aber es riss mich wieder um (seit dem Moment weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn ein Boxer zu Boden geht und nicht gleich aufkommt, kein gutes Gefühl. Für Momente schwindelig, nicht im Stande zu stehen).

So sagte ich mir: „weiter, weiter, weiter, auf geht’s – geht schon“, und es ging dann auch wieder. Spürte kaum Schmerzen und hatte nur zum Ziel, den 2. wieder zu kriegen, was am letzten Berg dann recht locker ging, er konnte mir dort nicht genug entgegen setzen. Hier griffen nun meine 40.000 tranierten Höhenmeter.

Für mich war jetzt klar, ich habe ihn wieder – den 2. Platz, aber wo ist der Erste. Den bekam ich bis ins Ziel nicht mehr zu Gesicht.

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SAGENHAFTE ÜBERRASCHUNG

PLÖTZLICH bei km 67, also 3 km vor dem Ziel tänzelt ein Mann daher mit gelbem Trikot, Stockeinsatz auch im Flachen (?) – ein Tempo um die 4:00/km. Hielt den erst für einen Spitzen-Läufer, der da grad sein Training abspult – schaute äußerst frisch aus. Ich wusste auch nicht genau, ob wir eventuell ab dieser Stelle mit den Marathonis, die später starteten laufen – aber auch dafür sah der viel zu relaxed aus.

Im Ziel erfuhr ich, der Gelbe war schon ein Ultra – und der wäre jetzt der 2. – wow – da kommt Freude auf – und Unverständnis – wie ist das möglich?

Mit vielen top Läufern gesprochen, wie es das gibt, dass jemand über 60 km hinterher läuft und nach der letzten Zeitmessung die Rakete auspackt und selbst dem Führendem rund 6  Minuten abnimmt (der Herr ist 53!). Das konnte sich keiner so richtig erklären. Es hieß dann – „der ist saustark – der ist bei uns bekannt – das ist der Arzt.“

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Es geht mir nicht um Platz 2 oder 3, sondern um den sauberen Sport. Zugegeben, war wohl etwas sensibilisiert vom Stillschweigen meines Verfolgers bei km 19, als ich den Zusatz-Ausflug in die Botanik machte. Aber auch ein Herausforderer aus dem Ausland muss um Vieles besser sein, wenn er einen heimischen Boxer den Titel abnehmen will, oder?

Fazit: Möglicherweise habe ich aus eigenem Verschulden einen Gesamtsieg verschenkt, den 2. Platz sicher. Trotzdem – es war ein super Event, meine Zeit um 54 Minuten schneller als beim Zugspitz XL bei lediglich 102 Metern weniger Höhenmeter und gleicher Distanz, 22 Minuten vor dem 2. und 54 Minuten vor de 3. der Klasse M45.

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