Sieg in der Master Men Klasse

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sowie 3. Gesamtrang beim

Zugspitz Supertrail XL

Freitag Abend Anreise – die Lage ist fatal: Schnee – Matsch – Dauerregen – sämtliche Bachübergänge Hochwasser – Kälte ……

Was erwartet mich morgen bei diesem Supertrail XL? Recht viel schlimmer kanns nicht mehr kommen!

Wird das Rennen überhaupt stattfinden – wird es abgesagt ?

OK, dann schaun wir mal – nach dem CheckIn im Hotel (es schüttete in Strömen) ging ich mit  sehr gemischten Gefühlen zum Briefing –  Ergebnis: Morgen wird es leider nicht besser werden – Kalt und Regen, 2 – 7 Grad in den Tallagen, in den Höhenlagen Schnee …. das Rennen wir stattfinden – eventuell mit Streckenverlegung in tiefere Lagen.

TAAAAA – da bist Du hin- und hergerissen – von verzagt bis sehr gespannt, wie das dann alles kommen wird. Ein großes Wechselbad der Gefühle, kurze Gedankenblitze, ob man sich diesen Supertrail XL schon „antun“ soll…. ich habe es mir angetan und es lief sensationell.

Ich war für diesen Lauf zwar nur kurz, aber doch sehr gut vorbereitet – und irgendwie hatte ich schon die letzten beiden Tage das Gefühl, dass ich am Punkt bin, dass es da rascheln könnte in der Kiste. Nach meinem Cortina-Toblach Rennen (30 km ziemlich flach) war noch Platz für 2 gute Trainingswochen mit je 5.000 hm und rund 100 km. Ob das reichen würde für eine gute Platzierung? Ich sagte mir: Augen zu und durch.

Das erste mal lief ich mit Rucksack – laut Reglement – relativ schwer – ungewohnt für mich, nicht frei zu sein.

Anprobe Rucksack - Auswahl Laufshirt - für den Zugspitz Supertrail XLAugen zu und durch - Supertrail XL - ich bin bereitDauerregen - große Tropfen - kurz vor dem Start in EhrwaldSupertrail XL 2015 - vor dem Start in EhrwaldRucksack-Kontrolle am Start zum Supertrail XL in EhrwaldAnkunft beim Verpflegungspunkt Hubertushof ReindlauAnkunft Verpflegungspunkt 9 - Supertrail XL - LaengenfelderHermann Plaickner - Sieger beim Supertrail XL - Kategorie Master MenSiegerbeine - Supertrail XL - Hermann Gerald PlaicknerEin Bild sagt mehr als 1000 Worte - 3. Gesamtrang beim Supertrail XL

 

Nach ca. 400 mt. ging ich in Führung und so blieb es dann auch eine Weile. Nach 3 km setzte sich eine 4er Gruppe vom restl. Feld ab. Beim ersten steilen Anstieg überholte mich ein Tscheche (1987), aber ich war ihm direkt an den Fersen. Dann folgte ein Flachstück, und da zogen die anderen 2 nach. PLÖTZLICH zündete der Krah Matthias (1985) scheinbar ein Jumbo-Triebwerk und zog davon wie der Blitz – UNGLAUBLICH. Sowas habe ich noch nie erlebt. Für mich war klar, entweder der hat einen Vogel oder wir werden den nie mehr wieder sehn. Die Wahrheit lag in der Mitte, auch 65 km später lag er nur wenige Minuten vorne, das war dann doch wieder überraschend.

Der 4. im Bunde (Apfelbacher) konnte die „PS“ vom Tschechen und mir nicht halten, das war bald klar – letztendlich machte auch der Tscheche ein wenig später ernst und zog davon.

Plötzlich SCHNEE im Hochgebirge – gleichzeitig stießen wir auf den Verkehr der Supertrail – 60 km Läufer. Überholen schwierig, immer außerhalb der schlüpfrigen Wege, seitlich rutschiger Schnee. Ich staunte, welche Kraft ich dafür aufbringen konnte, denn das packte ich gut und so kam ich dem Tschechen wieder näher. Meine Überholmanöver kosteten zwar doppelt Kraft, waren aber sehr effizient.

Jetzt gings wieder bergab vom Hochgebirge – extrem anspruchsvoll und auch gefährlich – viele Überholungen – gleich wie bergauf. Wahrscheinlich waren außer mir nur eine Handvoll andere Läufer mit den kurzen Marathonhöschen unterwegs. Insgesamt betrachtet war das für mich aber eine goldrichtige Entscheidung. Nach einiger Zeit fror ich an den Fingern, konnte dadurch meine Stöcke nicht mehr kürzen, da es mir nicht gelang, die Daumen ausreichend zu bewegen, um den Nippel zu lösen. Egal, da machte ich mir jetzt nix draus. Ich lag bis hierher sehr gut – also, dacht ich mir: Auf geht’s, ich fühlte mich wohl und war super drauf. Grüßte so manchen Wanderer mit einem Gruß aus Südtirol, sang dann schon mal „schön ist es auf der Welt zu sein“ oder „so ein Tag“ um mich damit auch selbst aufzuheitern.

Unten im Tal angekommen folgten jetzt elendig lange Flachpassagen, sogar asphaltierte Straßen – das war nun nicht so mein Ding, aber hier profitierte ich dann ein wenig vom Training im Flachen im heurigen Frühjahr. Der Verkehr wurde nun deutlich geringer, das Überholen der „60iger“ aber noch anspruchsvoller. Ich packte einen nach dem anderen, obwohl diese Läufer ja bis hierher 18 km weniger in den Füßen hatten.

Dialog an der Verpflegungsstation:
Ich: „Bitte ISO!“ Der Helfer schaute mich gemütlich an.
Ich: „bitte schnell“ Jetzt machte er mir klar, dass ich den Faltbecher zücken soll. Ach ja, ich hatte ja einen im Rucksack – hatte ich vergessen.
Ich: „vergiss es, dann lauf ich so weiter….“ Die Zeit nehm ich mir nicht.

Endlich wieder Berg – das gefiel mir jetzt wieder gut und vom Tschechen war keine Spur mehr. War mir aber nicht sicher, ob ich den nicht verpasst habe und der bereits vor mir liegt. Am letzten Berg angekommen schrien mir Ursula, Virginia und Maximilian zu: „Papa, du bist 2., 6 Minuten hinter dem ersten – SPITZE, hop hop!“

Gleich danach war eine Verpflegungsstation wo groß „20“ stand. Ich war so durcheinander, dass mir nicht klar war: „sind es jetzt noch 20 km, oder was stimmt jetzt“ War mir aber egal, dachte, die pack ich auch noch, aber irgendwie stimmte mir das nicht zusammen. In Wirklichkeit wären das die restl. 20 km gewesen, wenn wir nochmals ins Hochgebirge gelaufen wären, aber das wurde wegen des vielen Schnees abgesagt. Nun folgte also das letzte Stück extrem bergab. Aus meiner Sicht sehr gefährlich, weil einfach rutschig wie auf Seife, nasse Steine, Matsch, Wurzeln … Ich wollte nicht mehr das Allerletzte riskieren, sicherte mich stattdessen oft mit den Stöcken und lief zügig dahin.

PLÖTZLICH flog der Tscheche an mir vorbei. Ich WOLLTE aber das Tempo nicht gehen, und keine Verletzung riskieren. So ließ ich ihn ziehen.

Ambitioniert lief ich dann noch die letzten 2 flachen Kilometer in jeweils 4:50, bis mich 200 mt. vor dem Ziel die Veranstalter schon begleiteten, ins Ziel funkten, dass nun der Sieger vom Supertrail XL-Master-Men einläuft. Dem entsprechend war der Zieleinlauf ein noch nie da gewesenes Erlebnis. Das machten die Veranstalter echt super toll.

So musste ich erfahren, dass der 2. der Altersklasse über 40 (ich 49) fast 35 Minuten nach mir einlief. Bei der Siegerehrung beobachteten mich die 2 Kollegen auffällig, das tat dann zudem nochmals gut. Ich kenn das ja, wenn man 2. ist und weit zurück, dann hält man die Leistung des ersten für besonders wertvoll und bei 35 Minuten greift dieser Aspekt sicher noch mehr.

FAZIT:

  1. Erleichtert, dass das so gut lief, überhaupt keine Wehwehchen nach dem Rennen, nicht mal eine Blase, NIX.
  2. Veranstaltung ist sehr sehr gut organisiert, großes Kompliment, da passt alles von A bis Z
  3. Leider sind Laufstrecke und Wege weder in der Schönheit noch in der Qualität mit dem Dolomitenmarathon oder dem Swiss Alpin vergleichbar. Gewiss verschäfte aber dieses Sauwetter diesen Eindruck noch.

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